Wer ist Fido?

Ein Leben ohne Hund ist möglich, aber es lohnt sich nicht.
Heinz Rühmann

hund hund

hund hund

Gehirn und Emotionen

Die Emotionen der Hunde besitzen dieselbe Physiologie wie bei Menschen. Das wird schon deutlich, wenn man die Mimik von Hund und Herr betrachtet: Freude, Angst, Wut und Ekel sehen irgendwie gleich aus.

Obwohl wir spontan Gefühle und Emotionen dem Herz zuordnen, entstehen sie natürlich im Gehirn.

Das Säugetiergehirn

Das Gehirn eines Säugetieres lässt sich in verschiedene Abschnitte gliedern, und grob gesagt sind diese umso "primitiver" je näher sie am Rückenmark liegen und je "moderner" je weiter sie davon weg sind - räumlich betrachtet. Der ursprünglichste Bereich ist die Medulla, das verlängerte Mark, wo z.B. die Atmung kontrolliert wird. Im Cerebellum, dem Kleinhirn, findet die Koordination motorischer Signale statt, die Raumorientierung und exakte Bewegung der Gliedmaßen wird hier "verwaltet". Dazu werden die der Signale von Propriorezeptoren, akustischen und optischen Reizen ausgewertet.

Propriorezeption ist die Wahrnehmung der Lage des eigenen Körpers im Raum, sorgt also dafür, dass wir und unser Hund wissen, wo wir gerade unsere Pfoten haben und bei Dunkelheit, wenn wir unsere Füße nicht sehen können, nicht einfach zusammenbrechen.

Das Großhirn ist der modernste Bereich des Säugerhirns. Es ist das übergeordnete Zentrum sensorischer und motorischer Funktionen. Die Motorik wird von den so genannten Basalkernen gesteuert, die Sensorik von der Hirnrinde, dem Cortex.

Bei Säugetieren dominiert der Neocortex. Hier werden die im Gehirn einlaufenden Informationen in verschiedenen Arealen, die spezifische Signale verarbeiten, detailliert abgebildet. Also erzeugt z. B ein Lichtblitz, der in einer bestimmten Sehfeldregion des Auges ankommt, an einer ganz bestimmten Stelle des visuellen Cortex Nervenimpulse.

Neben den spezifischen sensorischen Feldern gibt es noch unspezifische Areale, den Assoziationscortex. Dort werden Informationen aus verschiedenen Sinnesgebieten verarbeitet. Es werden Handlungsentwürfe gebildet, bei denen frühere Erlebnisse eine Rolle spielen, die aus dem Langzeitgedächtnisstammen.

Der Assoziationscortex macht beim Menschen 80% des Neocortex aus, bei Ratten dagegen nur 10%. Salopp würde ich sagen, hier findet das bewusste Denken und Entscheiden statt. Das können also nicht nur wir, das können die anderen Tiere, einschließlich Fido, auch.

Außer dem Neocortex gibt es noch den Palaeocortex in der Tiefe des Großhirns. Er enthält das limbische System, die Kommandozentrale der Emotionen."Richtiges" Verhalten erzeugt Emotionen, die uns Säugern sagen, "das war gut so…" Neurobiologen sehen die Funktion von Emotionen darin, Kontakt zwischen Gehirn und Körper zu halten. Das würde aber bedeuten, dass alles umgekehrt ist und wenn das biochemische Cocktail, das einer bestimmen Emotion entspricht, angerichtet ist, unser Gehirn diese eben als solche empfindet. Also nicht: ich bin aggressiv - schütt' ich mal Adrenalin aus, sondern: Hoppla, Adrenalin. Ich bin WÜTEND!!!

In unserem und in Fidos Gehirn sind dieselben Strukturen vorhanden.

In der Großhirnrinde findet unser bewusstes Denken statt. Grundlage des Denkens ist mentale Abstraktion - also unterscheiden zwischen groß und klein, rechts und links, usw, obwohl es kein Objekt gibt, das ein Groß darstellt - und dazu sind Hunde grundsätzlich in der Lage. Denken können ist eben nichts absolutes, so dass man es entweder kann oder nicht, sondern kontinuierlich - wir Säugetiere können das, aber eben nicht alle gleich gut.

Im Gehirn von Hund und Mensch besteht der Hauptunterschied in der Großhirnrinde. Unsere ist ziemlich hoch entwickelt, mit einer stark gefurchten Oberfläche, und beansprucht - würde man alle Furchen glätten - die Fläche einer aufgeschlagenen Tageszeitung. Fidos dagegen ist nur so groß wie eine Postkarte…es gibt aber keinen funktionellen Unterschied. Nur fährt Fido einen Kleinwagen und wir sind in der Stretchlimousine unterwegs.

Es gibt also keinen Grund, Fido die Fähigkeit Emotionen zu empfinden oder zu denken, abzusprechen.

Aber das wissen wir natürlich, diese Bemerkung ist für die Nachfahren der Leute, die ihnen früher auch z.B. Schmerzempfinden abgesprochen haben….

Ein schönes Buch das dieses Thema behandelt ist Liebst du mich auch?: Die Gefühlswelt bei Mensch und Hund