Ein Leben ohne Hund ist möglich, aber es lohnt sich nicht.
Heinz Rühmann
Hunde sind keine Wölfe mehr.
Der Hund stammt ausschließlich vom Wolf (Canis lupus) ab - das steht mittlerweile fest. Ob der Wolf aber jemals vom Menschen domestiziert wurde und wann Hunde wirklich entstanden sind, ist nicht geklärt. Manche Forscher datierten das Alter der Hunde auf bis zu 130 000 Jahre. Diese Schätzung wurde mittlerweile auf etwa 40 000 Jahre revidiert.
Davor ging man davon aus, dass die ersten Hunde vor etwa 14000 Jahren lebten, weil es keine Fossilienfunde gibt, die älter sind und eindeutig Hunden zugeordnet werden können. Manch einer ist aber in der Zwischenzeit zu der Erkenntnis gekommen, dass, wenn es vor 14 000 Jahren bereits Hunde gab, sie vorher entstanden sein müssen, was sich wieder mit den mit moderneren, molekularbiologisch ermittelten Werten von etwa 40 000 Jahren deckt – oder diesen zumindest nicht widerspricht.
Aber egal, ob es nun 14 000 oder 140 000 Jahre waren - was ist in der Zwischenzeit mit den Wölfen passiert?
Im Verlauf ihrer "Hundwerdung" sind die Wölfe in erster Linie geschrumpft. Fast alles am Hund ist zierlicher als bei Wölfen. Die Zähne sind kleiner, aber auch ihre Köpfe und Gehirne. Das ist vermutlich eine Anpassung an das Leben im Schutz (oder Schatten) des Menschen. Verkleinerung - vor allem des Gehirns - ist eine typische Domestikationserscheinung. Gehirne sind "teure" Organe, die sehr viel Energie benötigen. Wenn man (oder hund) sich ein kleineres leisten kann - prima!
Hunden wird wegen des kleineren Gehirns unterstellt, "dümmer" zu sein als Wölfe, weil sie sich ungeschickter anstellen, wenn es darum geht, Probleme zu lösen.Das logische Denkvermögen von Hunden ist in der Tat weitaus weniger ausgeprägt, als das von Wölfen. (Use it or lose it heißt die Devise!!!) Einige Ethologen erkennen aber darin eine Anpassung an das Zusammenleben und die Kooperation mit Menschen. Hunde haben eine perfekte Problemlösungsstrategie entwickelt: Sie werfen ihrem Menschen einen Hundeblick zu... und der wird's dann schon richten.
Dieser Tatsache verdanken wir zB die Stubenreinheit. Nur im Jugendalter halten Wölfe ihre Nester rein - Erwachsene erleichtern sich, wo sie stehen und gehen. Auch das Bellen ist eine Verhaltensweise, die bei Wölfen nur im Jugendstadium auftritt. Insgesamt sind die Lautäußerungen der Hunde vielfältiger als die der Wölfe. Womöglich wieder eine Anpassunng an das Zusammenleben mit dem Menschen, der eben dazu in der Lage ist, sie zu interpretieren.
Interessanterweise stammen die Wurzeln unseres Umgangs mit Hunden aus dem Elternverhalten. Wir behandeln Hunde wie Kleinkinder und im Wesentlichen sprechen wir auch so mit ihnen. (Und wir können uns das nur mit größter Mühe verkneifen!!)
Die Mimik und Gestik von Mensch und Hund ist oft so gegensätzlich, dass wir eigentlich "wie Hund und Katz" sein müssten: Wenn wir
freundlich sind, wenden wir uns dem Gegenüber zu, sehen ihn an und zeigen ihm sogar die Zähne. Das tun Hunde nur, wenn sie
ausgesprochen unfreundlich sind.
In Hundeprobleme - Problemhunde? Ratgeber für die bessere Erziehung
zeigt Anders Hallgren das Foto eines Mannes, der sich eigentlich freundlich lächelnd zu einem Hund herabbeugt - aus
Hundeperspektive. Und plötzlich ist man Hund und weiß gar nicht mehr so recht, ob er einem nicht doch noch an die Gurgel
will - der Mann. Auch andere Gesten sind nicht ganz konform mit dem Hundeknigge. Wenn Menschen sich umarmen, sind sie eigentlich nett
zueinender. Für eine Hund ist das allerdinge eine eher aggressive Handlung - und sie mögen es gar nicht, umarmt zu werden. In
Liebst du mich auch?: Die Gefühlswelt bei Mensch und Hund
zeigt Patricia McConnell einige Hunde, die gerade umarmt werden. Und ihre Gesichter sprechen Bände.
Aber in der Regel versteht Fido… Es ist schwer, einem Hund was vorzumachen. Wir wissen nicht, woher er weiß, ob er mitkommen darf, wenn wir zum Schlüssel greifen. Aber schließlich ist das sein Job. Hunde sind ganz außerordentlich begabt darin, menschliche Gesten zu interpretieren. Sie verstehen die kommunikative Absicht, wenn der Mensch auf ein Objekt deutet oder es manchmal auch nur anblickt.
Mit dieser Fähigkeit übertreffen Hunde sogar Menschenaffen, und ihre Leistungen entsprechen denen von Kleinkindern. Den Menschen im Auge zu haben hat sich für Fido offensichtlich gelohnt.