Ein Leben ohne Hund ist möglich, aber es lohnt sich nicht.
Heinz Rühmann
Hunde lernen durch operante Konditionierung: Bei der operanten Konditionierung wird ein Zusammenhang zwischen Umweltereignissen und Verhalten geknüpft. Daraufhin wird das Verhalten angepasst. Daran ist immer ein so genannter Verstärker (reinforcer) beteiligt. Man kann Verstärker in verschiedene Kategorien einteilen:
Wenn der Hund nix lernt, ist die Motivation vielleicht nicht hoch genug, weil er sich aus dem Zeug sowieso nix macht oder es schon der 1097ste heute ist, oder…, oder... Auf jeden Fall ist wichtig, dass man die richtigen Verstärker zur rechten Zeit einsetzt.
Außerdem ist wichtig, dass der Verstärker ganz knapp nach dem Reiz eingesetzt wird. Die besten Ergebnisse erzielt man bei einer Verzögerung von maximal einer Sekunde. Danach, oder auch wenn der Verstärker vor dem unkonditionierten Reiz kommt, finden kaum Verknüpfungen statt.
Hunde lernen übrigens viel besser durch positive Verstärkung, was sie tun sollen, als durch negative Verstärkung, was sie nicht tun sollen.
Oft entsteht unerwünschtes Verhalten durch eine Konditionierung. Ein unangenehmes oder Angst auslösendes Ereignis tritt zusammen mit einen neutralen Ereignis auf und der Hund reagiert in Zukunft ängstlich auf den ursprünglich neutralen Reiz. Man bietet nun einen positiven Reiz, Leckerli, Spiel, was auch immer, mit dem konditionierten Reiz und mit der Zeit verknüpft der Hund die Angst auslösende Situation mit etwas Positivem und das Fehlverhalten verschwindet
Ein Verhalten, dass vorher verstärkt wurde - oft auch unbewusst, wir wissen ja: Fido ist ein ausgezeichneter Humanethologe - wird nun nicht mehr verstärkt und verschwindet mit der Zeit.
Zum Beispiel kann man einem Hund so das Betteln bei Tisch abgewöhnen - einfach ignorieren. Die Zeit, die es braucht, bis das Verhalten verschwunden ist, hängt davon ab, nach welchem Konzept das Verhalten vorher verstärkt wurde. Bei kontinuierlicher Verstärkung (jedes Mal) geht der Lernvorgang am schnellsten. Diskontinuierliche Verstärkung auf einer variablen Basis (gelegentliche Belohnung nach verschiedener Anzahl gezeigten Verhaltens) macht besonders hartnäckig…ist ja auch verständlich, denn beim nächsten Mal klappt's bestimmt!!! - weiß der Hund.
Charakteristisch für diese Methode ist der Extinction Burst: Es wird erstmal alles schlimmer und der Hund zeigt das unerwünschte Verhalten viel häufiger, länger und intensiver. Das gehört dazu, da muss man durch. Auf keinen Fall darf man nachgeben, kein einziges Mal, denn dann lernt Fido: dranbleiben lohnt sich ja doch!!! - und spätestens jetzt hat man ein sehr schwer auszurottendes variables Belohnungssystem etabliert und es wird in Zukunft viel schwieriger sein, dass unerwünschte Verhalten abzustellen.
Strafe gehört auch zum Lernen. Damit ist nicht gemeint, was wir in unserem kulturellen Kontext unter Strafe verstehen, sondern ein ethologisches Konzept, dass dazu führt, dass ein bestimmtes Verhalten in Zukunft unwahrscheinlicher macht.
Auch hier gibt es unkonditionierte, also natürliche, biologische Strafreize, wie z.B. Schmerz, Lärm, Hitze, Kälte… und konditionierte, deren Funktion als Strafreiz erst erlernt werden muss, z. B geschimpft werden. Allerdings muss man hier auch, genau wie bei den positiven Verstärkern sicherstellen, dass der Hund die Maßnahme auch wirklich als Strafe empfindet und sich nicht heimlich freut.
Und nicht verwechseln: Strafe heißt nicht Misshandlung, Strafe meint z.B. das eben oft so notwendige, scharfe NEIN!!!
Es darf nie passieren, einen Hund für etwas zu bestrafen, was mehr als 2 Sekunden zurückliegt. Hunde leben in der Gegenwart und bilden hier ihre Verknüpfungen. Also bringen sie die Strafe mit dem, was sie gerade tun in Verbindung und lernen, dass sie das nicht mehr tun sollten. Läuft der Hund weg und man bestraft ihn, wenn er zurückkommt, "überlegt" er sich das das nächste Mal genauer…
Ich finde es allerdings beinahe übermenschlich, einen zurückkehrenden Streuner freundlich zu begrüßen.
Diese straffe Zeitkopplung gilt natürlich auch, wie bereits erwähnt, für Lob.
Hunde reagieren auf diskriminierende Reize, die einem Verhalten vorangehen und bestimmen, welches Verhalten verstärkt wird, also erwünscht ist. Ein Auslöser kann also in Anwesenheit von verschiedenen diskriminierenden Reizen unterschiedliches Verhalten auslösen.
Ein Blindenhund, der sein Geschirr trägt und "im Dienst" ist, wird seinen Menschen um einen Ast herumführen, der auf dem Weg liegt. In seiner Freizeit - ohne Geschirr - würde er mit dem Ast aber spielen. Der diskriminierende Reiz - An- oder Abwesenheit des Geschirrs - sagt dem Hund, welches Verhalten erwünscht ist.
Ein blödes Beispiel. Und Vilmos Csanyi beschreibt in seinem wunderbaren Buch auch Gegenbeispiele dafür, wo Blindenhunde ihr Spiel abbrechen, um ihren Menschen davor zu bewahren, in eine Grube zu stürzen…
Hunde und klassische Konditionierung sind ja eine ganz berühmte Kombination. Auch hier wird ein zuerst neutraler Reiz zu einem konditionierten. Im Gegensatz zur operanten Konditionierung bezieht sich die klassische Konditionierung auf Reflexe und andere Aktivitäten des vegetativen Nervensystems. Betroffen sind Funktionen, die nicht dem Willen unterworfen sind, wie Puls oder Drüsenaktivität.
Sehr bekannt sind die Experimente von Pavlov, der die klassische Konditionierung eher zufällig entdeckt und als erster beschrieben hat. Eigentlich wollte er für seine Forschung am Verdauungssystem nur den Speichel der Hunde untersuchen. Er bot den Hunden Futter an, um den Speichelfluss zu aktivieren. Kurz bevor die Hunde ihr Futter bekamen, hörten sie aus der Küche die Näpfe klappern. Mit der Zeit begannen die Hunde schon zu speicheln, wenn sie nur das Klappern der Näpfe hörten. Ein unkondietionierter Reiz, das Futter, hatte ursprünglich einen unkonditionierten Reflex, den Speichelfluss ausgelöst. Durch die Konditionierung wurde ein neutraler Reiz, das Klappern, zu einem konditionierten, der nun den Speichelfluss, den konditionierten Reflex, auslöst.
Im Alltag ist klassische Konditionierung wohl eher die Ursache von Problemen als ihre Lösung. Aber sie wird auch in der Verhaltenstherapie angewandt.
Wenn Hunde in einer ursprünglich erschreckenden Situation nach mehrmaligem Erleben "cool" bleiben, hat Habituation stattgefunden. Habituation heißt wörtlich Gewöhnung.
Bei der Desensitivierung wird der (konditionierte) Reiz in geringer Dosis präsentiert, so dass auf keinen Fall eine (konditionierte) Reaktion erfolgt. Dann wird die Dosis erhöht bis die konditionierte Reaktion auch bei voller Exposition nicht stattfindet.
Flooding ist eine Methode, bei der der Hund mitten rein in eine Angst auslösende Situation gestürzt wird und man kein Entrinnen zulässt. Es findet eine Überflutung mit Auslösern statt. Sie wird zum Abbau von Angst angewandt. Keine nette Methode - wer möchte das am eigenen Leib erfahren? Nebenwirkungen sind Traumata, Aggressionen und ernsthafte Verhaltensprobleme!