Wer ist Fido?

Ein Leben ohne Hund ist möglich, aber es lohnt sich nicht.
Heinz Rühmann

hund hund

hund hund

Vom Wolf zum Hund - wie ist das passiert?

natürliche oder künstliche Selektion?

Hunde verdanken ihre Existenz nach althergebrachter Lehrmeinung der künstlichen Selektion durch den Menschen, der Wolfswelpen von Hand aufzog und zähmte. Der Mensch kreuzte die gezähmten Wölfe miteinander und im Lauf der Zeit entwickelten sich daraus Hunde.

Bisher ging die Geschichte etwa so: Es war einmal...
...kurz nach der letzten Eiszeit. Ein Jäger brachte einen Wolfswelpen nach Hause, den er seiner Mutter mit einem beherzten Griff aus der Wurfhöhle gestohlen hatte. Der wurde von den Menschen aufgezogen und - schwupps - da war der Hund.

Damals gingen die Menschen - wohl aufgrund veränderter Umweltbedingungen - von einem nomadischen Leben als Jäger und Sammler zu sesshafter Lebensweise über. Die Landwirtschaft, Ackerbau und Tierhaltung wurden erfunden.

Noch heute gilt der Wolf als größter Feind des Menschen, wird beharrlich verfolgt und wurde vielerorts praktisch ausgerottet. Für den Menschen ist der Wolf nicht gefährlich, aber er reißt gelegentlich Vieh. Auch damals, nach der Eiszeit waren Menschen und Wölfe Nahrungskonkurrenten. Was dachte sich also der steinzeitliche Bauer? Ich hol' mir einen Wolf ins Haus, da hat er's nicht so schwer bei der Jagd und kann gleich meine Ziegen fressen? Welchen Grund hätten die Menschen haben sollen, sich Wölfe zu zähmen? Was ist der Nutzen eines zahmen Wolfes für die Menschen?

Wölfe bellen nicht und eignen sich nicht als "Wachwolf". Die Wolfsforscher dieser Welt verkünden einstimmig, dass sie es für ausgesprochen ungesund halten, zu versuchen, einem Wolf die Beute wegzunehmen um sie mit ihm zu teilen, womit ein möglicher Einsatz als "Jagdwolf" entfällt. Wölfe lassen sich nur ausgesprochen widerwillig abrichten, bestimmte Aufgaben zu verrichten. Also taugen sie auch nicht zum "Hütewolf". Und wer möchte mit einem "Hauswolf" zusammenleben und sich nachts an einem wilden Tier wärmen?

Die Sozialisierung von Wolfswelpen mit Menschen ist zeitaufwendig und nicht stabil. Das Zeitfenster, indem sich Wölfe mit Menschen sozialisieren lassen, ist so kurz und öffnet sich so früh, dass das im Grunde unter den Bedingungen der Steinzeit unmöglich war, denn zum entsprechenden Zeitpunkt sind die Welpen noch Säuglinge - also was hätten sie fressen sollen? Eine Zähmung von Wölfen ist nur bei Jungtieren möglich, sobald sie die Geschlechtsreife erreichen, drängt es sie, zu ihrer wilden Lebensweise zurück zu kehren. Wölfe sind wilde Tiere, auch wenn sie gezähmt sind. Haushunde dagegen sind genetisch zahm und vererben diese Zahmheit.

...also doch natürliche Selektion?

Unsere Hunde entstanden durch Artbildung
Zur Artbildung sind ganze Populationen nötig, nicht nur einige, wenige Individuen. Die genetischen Eigenschaften einer Art werden in einem kontinuierlichen Prozess verändert, so dass ein bestimmtes Merkmal schließlich aus dem Genpool, der Gesamtheit der für die Population zur Verfügung stehenden Gene, verschwindet und durch ein anderes ersetzt wird.

Dazu ist auch eine unterschiedliche Fitness der beiden Ausgangspopulationen nötig. Das bedeutet, dass der Besitz des einen oder anderen Gens, oder besser Allel - die Ausprägungsform eines Gens, für die Population Vor- oder Nachteile mit sich bringt. Dadurch entstehen Unterschiede im Fortpflanzungserfolg, also der Fitness, und am Ende der Entwicklung stehen zwei sexuell voneinander isolierte Populationen. Eine neue Art ist entstanden.

Im Umfeld der menschlichen Siedlungen entstand eine neue ökologische Nische, denn in den menschlichen Siedlungen fiel ständig allerlei für Wölfe Essbares an. Wölfe mit geringer Scheu vor dem Menschen und geringerer Fluchtdistanz, konnten diese Ressourcen für sich nutzen und in eine bessere Fitness, also eine größere Nachkommenschaft, umsetzen. Während scheue Artgenossen flüchten, bleiben die zukünftigen Hunde an der Futterquelle und fressen.

Das Kriterium zur Hundwerdung war also eine geringere Fluchtdistanz. Mit der Zeit verbreitete sich diese genetische Veranlagung, die Nähe des Menschen zu suchen und ein Leben als "Kulturfolger" zu fristen. Die Populationen trennen sich und aus den zutraulichen Wölfen wurden Hunde. Diese Hunde sind immer noch wilde Tiere, aber sie leben in einem losen Gefüge mit den Menschen, ähnlich wie unsere heutigen Stadttauben oder Ratten. Diese Hunde, nicht Wölfe, wurden schließlich domestiziert.

Sie kamen also von selbst, machten den ersten Schritt.

Die ersten Hunde werden sich äußerlich nicht von den Wölfen unterschieden haben und man konnte nur an ihrem Verhalten erkennen, dass sie Hunde waren. Mit der Zeit werden sie aber die optischen Merkmale entwickelt haben, die wir von unseren Hunden kennen, wie Schlappohren, Ringelschwänze oder geschecktes Fell. Die Arbeiten von D.K. Belyaev, einem russischen Genetiker, weisen deutlich darauf hin, dass diese phänotypischen (die außere Erscheinung betreffenden) Merkmale mit zahmen Wesensmerkmalen gekoppelt sind. Belyaev wollte zahme Füchse für eine Pelztierfarm züchten. Nach nur wenigen Generationen der Selektion für Zahmheit und Zutraulichkeit zeigten die Füchse diese typischen Haushundmerkmale.

Haushunde werden gerne mit Wölfen zu einer Art zusammengefasst, weil sie zusammen fruchtbare Nachkommen zeugen können. Aber das können auch Wölfe und Schakale, trotzdem erkannt man beide als eigene Spezies an.

(nachzulesen bei Hunde: Neue Erkenntnisse über Herkunft, Verhalten und Evolution der Kaniden - unbedingt !!!).